1883 - 1969

Biographie

Existenzerhellung

Grenzsituationen

Philosophie und Kinderfragen

Werke und Textausschnitte

Zitate

Zitate aus: Karl Jaspers - Schicksal und Wille.

Jaspers über Nietzsche und Kierkegaard


EXISTENZERHELLUNG

Im Zentrum all seiner Aktivitäten stand seine Philosophie der möglichen Existenz!
Existenz gehört laut Jaspers nicht zum Bereich der Tatsachen, sondern zum Bereich der Freiheit.
D.h. Existenz ist eine Möglichkeit!


Existenzerhellung: ist die Freiheit zu fördern, ihre Chancen zu erweitern, zu verwirklichen; jede Form von Dogmatismus wird kritisiert. Zudem soll Existenz an ihre wahre Natur erinnert werden.

Jaspers macht mit seinem Begriff "Erhellen" deutlich, dass es nicht um ein Erkennen der Existenz geht! Die Methoden sind daher indirekt. Das Denken bedient sich vielfältiger Hinleitungen, damit keine als die einzig Wahre gilt!

Existenzerhellung strebt nach einer Haltung!!

Unter Situation versteht man den konkreten räumlichen und geschichtlichen Zusammenhang (incl. Subjekt)
Die Existenz ist nun in Situation und in einer Reihe von Vorbedingungen gefangen, die man nicht wählen kann, durch die Existenz aber ein Sinn verliehen werden kann!

= Epoche, Milieu, Eltern, Geburt, Tod, Leiden, Vergänglichkeit


Erst wenn es bei einer Handlung um das Wesentliche (=Lebenssinn, Treue) geht, verwirklicht sich mögliche Existenz - dies ist im eigentlichen Sinne Freiheit!!
Solche Existenz kann daher nie Besitz sein, sie kann nur gelebt werden. Solange man von ihr spricht ist sich immer nur eine mögliche Existenz!

Die Mögliche Existenz ist im Zusammenhang mit Zeitlichkeit zu verstehen!
Ewigkeit ist weder Dauer aller Zeit, noch Zeitlosigkeit!
Ewigkeit ist Durchbrechen der Zeit = Transzendenz (=Gott)!
Existenz ist nur möglich in bezug zur Transzendenz, sie hat sich nicht selbst geschafffen, sondern ist ein Geschenk der Transzendenz!

Jaspers contra Sartre:
Sartre: "Wenn es Gott gäbe, gäbe es keine menschliche Freiheit!"
Jaspers:"Es gibt keine Freiheit ohne Bezug zur Transzendenz!"

Wenn man weiß was Wahrheit und Gewißheit sind, mangelt es an Freiheit. Damit büßen Wahrheit und Gewißheit ihren Sinn als Werte ein!


GRENZSITUATIONEN

Die Existenz sucht die Erfahrung der Grenzsituationen; die Erfahrung soll vertieft und der Sinn entdeckt werden!
Nur gegen den Widerstand der Grenzsituationen kann sich Freiheit vollziehen.

Ansprüche auf totale Freiheit oder totale Beherrschung des Lebens ist Flucht vor den realen Bedingungen! Die Freiheit ist unabänderlich durch Grenzsituationen beschränkt und strukturiert.

Das Bemühen den Ursprung der Existenz = Transzendenz zu erkennen ist undenkbar = METAPHYSIK - Erfahrung der Grenze / des Scheiterns!!


PHILOSOPHIE UND KINDERFRAGEN

Ein wunderbares Zeichen dafür, daß der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert, sind die FRAGEN DER KINDER.

BEISPIELE:

  1. "Ich versuche immer zu denken, ich sei ein anderer und bin doch immer wieder ich."
    Dieses Kind entdeckt hier das Seinsbewußtsein im Selbstbewußtsein.

  2. Auf die Schöpfungsgeschichte reagiert ein KInd mit der Frage: "Was war denn vor
    dem Anfang?" - dieses Kind erfuhr die Endlosigkeit des Weiterfragens, den Zwang
    des Nichtaufhörenkönnens.

  3. Ein anderes Kind reagiert auf die Erklärungen über die Erde und die Sonne (nicht
    die Sonne, sondern die Erde dreht sich) mit Entrüstung: "Ist ja gar nicht wahr, ich
    glaube nur was ich sehe!" etc.......

Ursprüngliches Philosophieren zeigt sich bei Kindern wie bei Geisteskranken. Als ob der gesunde erwachsene Mensch in einem verschleierten, verschütteten Zustand leben würde. Am Beginn mancher Geisteskrankheit erfolgen metaphysische Offenbarungen erschütternder Art!

Es liegt ein tiefer Sinn in dem Satz:
KINDER UND NARREN SAGEN DIE WAHRHEIT!


Da die Philosophie für den Menschen unumgänlich ist, ist sie jederzeit in überlieferten Sprichwörtern, philosophischen Redewendungen, in Überzeugungen, Glaubensanschauungen und v.a. in Mythen vorhanden!

DER PHILOSOPHIE IST NICHT ZU ENTRINNEN !
Wer sie ablehnt, vollzieht selber eine Philosophie,
ohne sich dessen bewußt zu sein!


WERKE UND TEXTAUSSCHNITTE

Werke: Allgemeine Psychopathologie, Psychologie der Weltanschauungen, Die geistige Situation unserer Zeit, Philosophie (Hauptwerk), Von der Wahrheit, Die großen Philosophen

Eines seiner wichtigsten Werke ist Einführung in die Philosophie, München, Piper, 1953.
In diesem Werk dikutiert Jaspers die Problematik der Philosophie, ihren Wert und v.a. ihre Ursprünge.

"Für einen wissenschaftsgläubigen Menschen unserer Zeit ist das Schlimmste, daß die Philosophie gar keine allgemeingültigen Ergebnisse hat. Was aus zwingenden Gründen von jedermann anerkannt wird - eine wissenschaftliche Erkenntnis - ist nicht mehr Philosophie, sondern bezieht sich auf ein besonderes Gebiet des Erkennbaren.
Das philosophische Denken hat auch nicht den Charakter eines Fortschrittprozesses. Wir sind gewiss weiter als Hippokrates (griech. Arzt), wir sind aber kaum weiter als Platon.
Während wissenschaftliche Erkenntnis auf einzelne Gegenstände abzielt, handelt es sich in der Philosophie um das Ganze des Seins, das den Menschen als Menschen angeht. Der Sinn der Philosophie hat einen anderen Ursprung als die üblichen Einzelwissenschaften.

VOR ALLER WISSENSCHAFT TRITT SIE AUF, WO MENSCHEN WACH WERDEN !

In philosphischen Belangen hält sich fast jeder für urteilsfähig. Während man anerkennt, daß in den Wissenschaften Lernen, Schulung, Methode Bedingung sei, erhebt man in der Philosophie den Anspruch, ohne weiteres mitreden zu können."

TEXTANALYSE:

"Nenne ich die Welt den Inbegriff alles dessen, was mir durch Orientierung des Erkennens als ein zwingend für jedermann wissbarer Inhalt zugänglich werden kann, so ist die Frage, ob alles Sein mit dem Weltsein erschöpft sei, und das erkennende Denken mit der Weltorientierung aufhöre. Was in mythischer Ausdrucksweise Seele und Gott heißt, in philosophischer Sprache Existenz und Transzendenz, ist nicht Welt. Sie sind nicht im selben Sinne wie die Dinge in der Welt als Wissbarkeiten, aber sie könnten auf andere Weise sein. Sie wären obgleich nicht gewusst, nicht nichts und würden, wenn nicht erkannt, so doch gedacht.
Hier erfolgt die philosophische Grundentscheidung auf die Frage: was gibt es dem gesamten Weltsein gegenüber"
Das Sein, das- in der Erscheinung des Daseins- nicht ist, sondern sein kann und sein soll und darum zeitlich entscheidet, ob es ewig ist.
Dieses Sein bin ich selbst als Existenz. .......... Aus ihrer Möglichkeit lebe ich; nur in ihrer Verwirklichung bin ich ich selbst. Will ich sie fassen, so entschwindet sie mir, denn sie ist nicht psychologisches Subjekt.
Nicht mein Dasein also ist Existenz, sondern der Mensch ist im Dasein mögliche Existenz. Jenes ist da oder nicht da, Existenz aber, weil sie möglich ist, tut Schritte zu ihrem Sein oder von ihm weg ins Nichts durch Wahl und Entscheidung. Existenz ist von anderer Existenz wesensverschieden aus dem Grunde ihrer Freiheit. Dasein als Sein lebt und stirbt; Existenz weiß keinen Tod, sondern steht zu ihrem Sein im Aufschwung und Abfall. Dasein ist empirisch da, Existenz nur als Freiheit.
Existenz ist nur wenn sie bezogen ist auf andere Existenz und auf Transzendenz.
Der bedingungslose Daseinwille muss, wenn ihm sein Dasein als Wirklichkeit des restlosen Scheiterns klar wird, verzweifeln."
Karl Jaspers